Musikdesignstudierende haben in Kooperation mit der Kunsthalle Mannheim in der Auseinandersetzung mit einem selbst gewählten Werk Hannah Höchs deren Bildwelten zu eigen gemacht und in eine individuelle akustische Interpretation umgesetzt. Das Ergebnis sind elf Kompositionen, die in der Sonderausstellung an vier Hörstationen mit Blick auf das jeweilige Werk von Höch zu hören sind.

Wie verändert sich die visuelle Wahrnehmung durch den Klang? Welchen Einfluss hat das Betrachten eines Gemäldes auf Musik, der man gleichzeitig lauscht? Führt ein Bild durch die Musik oder umgekehrt? Die Verbindung zweier physisch von einander getrennter Wahrnehmungsbereiche nennt man Synästhesie. In den Genuss solch synästhetischer Erfahrungen kamen die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung „Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst“.

So ließ sich beispielsweise Tab Bellmann von Höchs Collage „Fortgeschritten“ zu einem vielschichtigen, elektronischen Zweiminüter inspirieren, dessen Oszillieren zwischen der linken und rechten Kopfhörermuschel den Boden zum Schwanken zu bringen scheint. Vincent Egerter nimmt in seiner Klangcollage zu „Fahrt ins Unbekannte“ den Aspekt der Bewegung in seine Komposition auf, die er mit Störgeräuschen durchsetzt. Wie Höch in „Den Männern gewidmet, die den Mond eroberten“, so collagierte auch Georg Kästle in seinem Musikstück Abstraktes (die Klänge einer Harfe) mit Organischem (dem Summen von Bienen).


Die Projektgruppe bei der Ausstellungseröffnung in Mannheim

Unter den unterschiedlichen Herangehensweisen der jungen Komponisten lassen sich drei grundlegende Prinzipien in den Kompositionstechniken erkennen. Schon bei der Wahl der Klangfarben und Instrumente finden sich direkte und nahezu illustrierende Bezüge zu Farben, Struktur und Formen der Bilder. Auch das persönliche Empfinden spielt ein wichtige Rolle: Wirkt das Bild traurig, zerstörerisch, ironisch oder positiv auf den Betrachter? Zu guter Letzt wurde Bezug genommen auf den historischen Hintergrund. Gibt es beispielsweise originale Klangquellen wie Zitate oder Geräusche, die in die Komposition eingebunden werden können? Entstanden sind elf Klangcollagen, die auch eine neue eigenständige, audio-visuelle Erfahrung darstellen.


Eine Klanginstallation von und mit Musikdesignstudent Myung Duk Kim