Umgeben von einer passenden Bahnhofsatmosphäre des späten 19. Jahrhunderts lässt sich im KirchnerHAUS in Aschaffenburg Ernst Ludwig Kirchners Leben nachempfinden, dokumentiert durch Zitate, Stilproben und wichtige Etappen seines Werdegangs. Das Geburtshaus sowie die damit verbundene Kindheit des Malers boten ihm unerschöpfliche Quellen der Inspiration, wie in seinen Bildern immer wieder deutlich wird.

„Ich bin am Bahnhof geboren. Das erste, was ich im Leben sah, waren die fahrenden Lokomotiven und Züge.“ – so beginnt ein immer wiederkehrendes Zitat, das deutlich macht, wie sehr Bewegung und die Beobachtung derselbigen den Künstler beflügelten und zur kreativen Auseinandersetzung anregten. Dass Inspiration aber meist auch durch negative Erlebnisse entsteht, wird im Keller des Hauses klar: Die Amme des damals noch jungen Kirchner erzählt ihm vom Krieg, von ihren traumatisierenden Erlebnisse, als sie sich damals genau dort mit anderen Menschen vor Soldaten versteckt hatte. Untermalt ist das alles von authentischen Geräuschen der Gewehre, Kanonen und Bajonette und den Schreien verwundeter Kriegsopfer.

Die klangliche Umsetzung erfolgte durch die MusikdesignerInnen Christina Komitakis, Georg Kästle, Maurice Oeser, Frank Simper, Jonas Schwall, Jan Wegmann und Ron Freyenschlag unter Projektbetreuung von Theresa Seitz und Stefan Wolf.

Präsentiert wurde das Ergebnis dieser Zusammenarbeit Anfang November im KirchnerHAUS gemeinsam mit dem Vorhaben, das museumsdidaktische Konzept ‚KirchnerHAUS für sehende und blinde Menschen‘ umzusetzen. „Das Museum der Zukunft ist barrierefrei, interaktiv und mit audio-visuellen Medien ausgestattet, die insbesondere auch jüngere Zielgruppen ansprechen und den Ausstellungsbesuch zu einem ganzheitlichen Erlebnis machen.“, meint dazu Udo Breitenbach, Ausstellungsdesigner, 3. Vorsitzender des KirchnerHAUS-Vereins und Mitinitiator des Sound-Projektes.

Überzeugen konnte das sehr innovative Gesamtpaket auf jeden Fall – so erhielt der KirchnerHAUS Aschaffenburg e.V. für den nächsten Ausbau des KirchnerHAUSes eine großzügige Förderung der Bayerischen Sparkassen-Stiftung, deren Verbandsleiter bei der Präsentation ebenfalls anwesend war. Auch die Vertreter vom Blindenverband Aschaffenburg haben bestätigt, dass die Klänge sehr anschaulich sind und die Vorstellungskräfte animieren.